Verschiedene Sichten auf den Verkehr in der Swinemünder

von Dominique Hensel

Ein Samstag in der Swinemünder Straße. Die ersten Bäume stehen in Blüte, der Frühling ist bereits da. Am ehemaligen Standort des Diesterweg-Gymnasiums parken acht Pkw und ein Lieferwagen. Die meisten haben ein Berliner Kennzeichen, zwei eins aus Brandenburg, ein Auto hat ein Münchener Kennzeichen. Gegenüber der Schule stehen zwei PKW direkt neben dem Kinderspielplatz auf dem Mittelstreifen. Wenige Meter weiter Richtung Demminer Straße parken zwei weitere Autos links und rechts der verkehrsberuhigten Straße. Auf der anderen Seite vor der Häuserfront fahren und stehen insgesamt drei Autos. Ziemlich viel Verkehr auf der Straße, die für den Individualverkehr gesperrt ist.

swinemuender2Parkende Autos am ehemaligen Standort des Diesterweg-Gymnasiums. Foto: HenselEs ist ein ganz normaler Tag in der Swinemünder Straße. Das Bild ist so an jedem beliebigen Tag zu sehen, es ist Alltag im Brunnenviertel. Die Swinemünder Straße ist zwischen Rügener Straße und Bernauer Straße aber eigentlich bereits seit Jahrzehnten ein verkehrsberuhigter Bereich. Er ist Fußgängern und Radfahrern vorbehalten. Die gekennzeichneten Ausnahmen erlauben die Zufahrt im Schritttempo lediglich einem streng festgelegten Nutzerkreis – zum Beispiel gewerblichem Lieferverkehr während festgelegter Zeiten, Taxis zur Fahrgastbeförderung oder Stellplatzmietern.

Die Situation in der Straße ist jedem im Kiez bekannt. Vor einiger Zeit hat sich daher eine Anwohnergruppe zusammengefunden, die MachMit-Gruppe. Die Gruppe unter dem Dach des Brunnenviertel e.V. engagiert sich schon länger für das Thema. Die Nachbarn und Nachbarinnen setzen sich für eine Verbesserung der Verkehrssituation in der Swinemünder Straße ein. Sie möchten, dass die bereits geltenden Regeln kontrolliert und eingehalten werden. Sie diskutieren,, überlegen, kontaktieren Verantwortliche und haben sich selbst im vergangenen Jahr im Kiezmagazin vorgestellt (Beitrag: Die Swinemünder zurückerobern!).

Die Situation in der Swinemünder Straße ist aber bisher offenbar nicht über das Brunnenviertel hinaus bekannt. Der Abgeordnete Tobias Schulze (Linke) hatte im Februar eine Anfrage an den Berliner Senat zur Problematik gestellt. Aus der Antwort von Sabine Smentek (Senatsverwaltung für Inneres und Sport) geht hervor, dass die Polizei regelmäßig in der Straße unterwegs sei und nach dem Rechten schaue. „In den Jahren 2018 sowie 2019 wurden keine recherchierbaren Verstöße festgestellt“, berichtet Sabine Smentek für den Senat. Im Jahr 2018 wurde nur ein Auto umgesetzt, 2019 parkte ein PKW im Halteverbot und wurde deshalb abgeschleppt. Weil das so ist, sind laut Smentek auch keine verstärkten Maßnahmen zur Verkehrsüberwachung geplant. Smentek verweist aber auf den geplanten Umbau des Straßenabschnitts zwischen Rügener Straße und Swinemünder Brücke und die damit verbundenen Verbesserungen für Fußgänger und Radfahrer (Beitrag: So wird die Swinemünder umgebaut).

swinemuender3Geparkt wird links und rechts. Neben dem Auto links ist ein Spielplatz. Foto: HenselAuf die Frage nach möglichen baulichen Veränderungen, um die Beschränkungen für den motorisierten Individualverkehr besser durchsetzen zu können, antwortete Sabine Smentek: „Das federführende Bezirksamt Mitte teilt mit, dass die Erstellung eines Verkehrskonzeptes nicht vor dem Jahr 2022 möglich ist. Weiterhin wird darauf hingewiesen, dass Einzelmaßnahmen nicht zielführend seien, da jede Maßnahme eine Auswirkung auf sein Umfeld entwickelt und dies nur im Gesamtkontext einer Verkehrskonzeption betrachtet werden kann. In die Verkehrskonzeption fließen auch baulichen Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung ein.“

Für die MachMit-Gruppe sind das keine gute Nachrichten. Sie wünschen sich eine rasche Verbesserung der Situation, die sie auch als gefährlich für Fußgänger, Radler und auch für spielende Kinder halten. Stattdessen lernen nach Ansicht der Bewohner immer mehr Autofahrer, dass in der Swinemünder Straße einfach geparkt und gefahren werden kann und die bestehenden Regeln nicht durchgesetzt werden.

Bewohner und Bewohnerinnen aus dem Brunnenviertel, die sich für die Verbesserung der Verkehrssituation in der Swinemünder Straße einsetzen möchten, können zum Treffen der MachMit-Gruppe gehen und sich der Initiative anschließen. Die Gruppe trifft sich an jedem vierten Mittwoch im Monat um 18 Uhr im Freizeiteck in der Graunstraße 28. Interessierte können sich auch per E-Mail melden: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

swinemuender1Fahren und Parken auf der Seite gegenüber. Foto: Hensel